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Hier finden sich meine bisherigen Stücktexte.

Here you can find my play scripts to date.

Die Texte dürfen für die persönliche Lektüre und zur Prüfung einer möglichen Inszenierung heruntergeladen werden. Die Bereitstellung beinhaltet keine Aufführungs-, Bearbeitungs- oder sonstigen Nutzungsrechte.

The scripts may be downloaded for personal reading and to assess a possible staging. Their availability here does not grant any performance, adaptation or other usage rights.

Bei Interesse an einer Aufführung, Lesung, Bearbeitung oder Zusammenarbeit freue ich mich über eine Nachricht. Selbiges gilt für den Text von „Keine Aufstiegsgeschichte“.

If you are interested in a production, reading, adaptation or collaboration, I look forward to hearing from you. The same applies to the script of “Keine Aufstiegsgeschichte”.

Die Allerletzten

1 W, 1 M · ca. 75 Min. · UA 28.11.2025 · Maxim Gorki Theater Berlin1 F, 1 M · approx. 75 min · world premiere 28 Nov 2025 · Maxim Gorki Theater, Berlin

Vor ein paar Jahren verließ ein junges Paar die Stadt. Sie wollten auf dem Land neu anfangen, träumten davon, einen Ort der Zuflucht zu finden vor einer Welt, die ihnen immer bedrohlicher schien. Sie hatten sich und einen Traum. Ein altes, heruntergekommenes Haus sollte ihre Insel werden, Freund*innen und Verbündete wollten folgen, eine neue Gemeinschaft sollte entstehen.

A few years ago, a young couple left the city. They wanted to start over in the countryside, dreaming of a place of refuge from a world that seemed ever more threatening. They had each other and a dream. An old, run-down house was to become their island; friends and allies would follow, a new community would grow.

Doch bald schon wurde die erste „Reichsflagge“ in ihrer deutschen Nachbarschaft gehisst und die, die ausgezogen waren, ihre Ängste zu vergessen und ein neues Glück zu finden, stehen nun vor einer harten Entscheidung. Rückkehr? Aber wäre das nicht ein feiger Rückzug? Sollten sie vielleicht doch ein wenig geduldiger mit der braunen Dorfgemeinschaft sein? Auch diese Frage wäre zu groß für eine Beziehung, die längst nicht mehr weiß, ob ihre Liebe noch reicht um weiter zu machen. Und wann sind sie eigentlich falsch abgebogen? Keine Ahnung!

But before long the first “Reich flag” was hoisted in their German neighbourhood, and the two who had set out to forget their fears and find new happiness now face a hard decision. Going back? Wouldn’t that be a cowardly retreat? Or should they be a little more patient with the brown-shirted village community? That question, too, would be too much for a relationship that no longer knows whether its love is enough to carry on. And when exactly did they take the wrong turn? No idea!

Also müssen sie sich erinnern, an die schönen Tage, an ihr Glück, den Verrat von Freunden, die längst wieder zurück sind in der trügerischen Sicherheit der woken Stadt. Auf der Suche nach ihrer Vergangenheit, ihrem Scheitern, kommt das Paar einander gefährlich nah. Und am Ende? Schaffen sie es, nicht zu scheitern an der Verlogenheit unserer Welt, an zu großen Träumen, aneinander?

So they have to remember: the good days, their happiness, the betrayal of friends long since back in the deceptive safety of the woke city. Searching through their past and their failure, the couple come dangerously close to each other. And in the end? Will they manage not to founder — on the mendacity of our world, on dreams grown too big, on each other?

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Anouk & Adofa

1 M, 1 W · ca. 120 Min. · UA 26.11.2022 · Schauspiel Leipzig1 M, 1 F · approx. 120 min · world premiere 26 Nov 2022 · Schauspiel Leipzig

Anouk und Adofa tun es — sie leben als Paar zusammen. Sie Architektin, er Schauspieler, gut aufeinander eingespielt und mit den Eigenheiten des anderen vertraut. Den gesellschaftlichen Ansprüchen ans Paarsein stellt man sich spielerisch, und man stützt sich gegenseitig, wenn die Welt draußen mit ihren Widersprüchlichkeiten mal wieder zur Herausforderung wird. Kein Grund also für Wut und Rebellion, und der Drogenkonsum ist auch unter Kontrolle.

Anouk and Adofa are doing it — living together as a couple. She an architect, he an actor, well attuned to one another and familiar with each other’s quirks. Society’s expectations of coupledom are met playfully, and they hold each other up whenever the world outside, with all its contradictions, becomes a challenge again. No cause for rage or rebellion, then — and the drug use is under control too.

Unter der Oberfläche des einvernehmlichen Zusammenlebens kündigen sich jedoch, zunächst fast unmerklich, Verschiebungen in der Harmonie an. Während Anouk beschließt, sich endlich ihren inneren Dämonen zu stellen, muss Adofa mit dem überraschenden Tod seiner Mutter fertigwerden. Ab da stoßen die beiden immer sichtbarer an die Grenzen ihres Paarseins, stillschweigende Übereinkünfte werden neu beleuchtet, ihre Gesprächskultur auf die Probe gestellt. Vielleicht zum ersten Mal wird ihnen klar, dass Schere-Stein-Papier irgendwann nicht mehr als Entscheidungsgrundlage für die wichtigen Fragen des Lebens ausreicht.

Beneath the surface of their amicable life together, though, shifts in the harmony begin to show, almost imperceptibly at first. While Anouk decides to finally face her inner demons, Adofa has to cope with the sudden death of his mother. From then on, the two push ever more visibly against the limits of their coupledom; tacit agreements are re-examined, their culture of conversation put to the test. Perhaps for the first time, they realise that rock-paper-scissors will not do forever as a way of deciding life’s big questions.

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Die Leiden des jungen Azzlack

1 M · ca. 75 Min. · UA 12.06.2021 · Schauspiel Leipzig1 M · approx. 75 min · world premiere 12 Jun 2021 · Schauspiel Leipzig

Der junge A. ist hier aufgewachsen, ist hier zur Schule gegangen, hat hier sein Abitur gemacht und studiert. Er lebt in Europa und in einem seit Generationen von Einwanderung geprägten Land, ist womöglich hier geboren. In seinem Alltag wird er immer wieder mit Fragen konfrontiert, die sich einst ein junger Mann namens Werther nicht stellen musste, ein Anton, Benedikt oder Claudius wohl selten stellen muss. Auch wenn sein Name für manche fremd klingt, hat er den gleichen Pass wie sie und erzählt seine Geschichte von seinem Standort aus, aus Deutschland.

Young A. grew up here, went to school here, took his Abitur here and went on to university. He lives in Europe, in a country shaped by generations of immigration — he may well have been born here. In everyday life he keeps running into questions that a young man named Werther never had to ask himself, and that an Anton, Benedikt or Claudius rarely has to. Even if his name sounds foreign to some, he holds the same passport they do — and tells his story from where he stands: from Germany.

In seinem Monolog spricht A. über sich und spielt mit unseren Erwartungen, Vorurteilen und Zuschreibungen — den bewussten und unbewussten —, die selbst hinter bemühten Reflexionen, wohlgemeinten Einstellungen und Haltungen lauern. Doch auch die Sehnsucht nach Identität, die, kaum gefunden, wieder zerrinnt, kommt zur Sprache. Den Konflikt, die Literatursprache eines Goethe zu mögen, grammatikalisch besser als die meisten zu sprechen, die Geschichte und Kultur eines Landes zu atmen und mit großem Bemühen Liter um Liter reinheitsgebrautes Bier durch seinen Körper fließen zu lassen und trotzdem als Kanacke, Iraner, Migrant, Diaspora-Minderheit oder Flüchtlingskind eingeordnet zu werden, hat er selbst nicht heraufbeschworen.

In his monologue, A. talks about himself and plays with our expectations, prejudices and labels — conscious and unconscious — that lurk even behind earnest reflection and well-meaning attitudes. The longing for identity, which dissolves almost as soon as it is found, is given voice too. The conflict of loving the literary language of a Goethe, of speaking more grammatically than most, of breathing a country’s history and culture, of dutifully letting litre after litre of purity-law beer flow through his body — and still being filed away as Kanake, Iranian, migrant, diaspora minority or refugee child — is not one he conjured up himself.

Mit verschiedenen Kulturen und Sprachen aufwachsen und vertraut sein: Gerade in einer Zeit, in der viele Lebensläufe mit der Flüchtigkeit und Ortslosigkeit des „Globalen“ konfrontiert sind, werden Standortbestimmungen wichtig. Doch was verstehe ich unter Begriffen wie Zuhause oder Heimat? Und kann oder muss es das überhaupt für mich geben? Die Suche führt den jungen A. durch teils absurde Situationen: von einem Rollencasting aus, bei dem plötzlich Al Pacino auftaucht, führt es A. zu einem Deutschtest mit Aspik bis in die Konfrontation mit seinem Vater. Er begegnet erfolgreichen Gangster-Rappern, die davon träumen, doch ein bisschen wie die Mehrheitsgesellschaft zu sein und einem Späti-Verkäufer, der ihm nach einem tiefen Zug aus der Shisha bei allen Identitätsfragen zur Seite steht. In den nicht einfach zu beantwortenden Fragen nach Sprache und Identität schillert die wachsende Vielfalt der Biografien in unserer Gesellschaft.

Growing up with, and being at home in, several cultures and languages: precisely at a time when many biographies confront the fleetingness and placelessness of the “global”, knowing where one stands becomes important. But what do I actually mean by words like home or Heimat? Can there, must there even be such a thing for me? The search takes young A. through situations that verge on the absurd: from a casting call at which Al Pacino suddenly appears, to a German test involving aspic, to a confrontation with his father. He meets successful gangster rappers who dream of being just a little more like the majority society, and a corner-shop keeper who, after a deep pull on the shisha, stands by him in every question of identity. In these far-from-simple questions of language and identity, the growing diversity of biographies in our society shimmers.

Welche Rolle darf er spielen, auf der Bühne, vor der Kamera, in unserer Gesellschaft? Warum fragt man ihn über seinen Familienhintergrund aus? Und warum bestimmt diese eine Facette seiner Identität so sehr das Bild, das die Menschen hier von ihm haben oder haben möchten? Wieso spricht der Grenzpolizist am Bahnhof lieber schlechtes Englisch mit ihm als seine Muttersprache? In seinem Solo erzählt A. mit Humor, Sarkasmus und Hintersinn und manchmal auch mit Wut über ein Leben, das von mehrfach gebrochenen Selbst- und Fremdzuschreibungen geprägt wurde.

Which part is he allowed to play — on stage, in front of the camera, in our society? Why do people quiz him about his family background? And why does this one facet of his identity so dominate the image people here have of him, or want to have? Why does the border policeman at the station prefer to speak bad English with him rather than his mother tongue? In his solo, A. tells of a life shaped by multiply fractured images of self and other — with humour, sarcasm and subtlety, and sometimes with rage.

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